Als ich mich am Abend des 06.04. mit meinem Teleskop und meiner kompletten Photoausrüstung
mit dem Auto auf den Weg nach Neuvres machte, ahnte ich noch nicht, was am darauffolgenden Tag
auf den ca. 3 Metern belichteten Filmmaterials zu sehen sein würde. Zusammen mit Werner, einem
weiteren Mitglied der Oldenburger Sternfreunde bereitete ich mich in der Dämmerung darauf vor,
die interessante Planetenkonstellation zu photographieren, die an diesem Abend zu sehen sein
sollte, was der eigentliche Anlass unseres Treffens war.
Da man solche Polarlichterscheinungen nur sehr schwer und nicht sehr genau vorhersagen kann,
waren wir überhaupt nicht darauf vorbereitet, als um ca. 22.00 Uhr der Himmel von grünlich-weißen
Streifen durchzogen wurde. Wie wussten zwar, wie ungefähr Polarlichter aussehen müssten, aber wir
dachten anfangs, unseren Augen nicht mehr trauen zu können. Total verwirrt und durcheinander
suchten wir schnell alles zusammen, was zum Photographieren nützlich sein könnte. Wir wussten ja
schließlich nicht, wie viel Zeit uns noch blieb.
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Langsam baute sich dieses Phänomen auf, bis es sich schließlich, von Norden ausgehend, bis
Osten und Westen erstreckte. Legte man den Kopf in den Nacken, so sah man noch immer diese nun
rot-grün-weißen Lichtstrahlen. Sie reichten also bis in den Zenit. Man kann sagen, dass der halbe
Himmel von Polarlichtern bedeckt war. Dadurch wurde es so hell, dass man sogar beobachten konnte,
wie sich Schatten auf dem Boden abzeichneten. Nach diesem Spektakel hatte ich schon einen
kompletten Film voll. Langsam verblassten die Erscheinungen nun wieder und wir nahmen bereits,
ein bisschen naiv, als unerfahrener Polarlichtbeobachter -und photograph, dass wir uns jetzt
glücklich und zufrieden in unserer Betten legen könnten. Aber auch dieser Plan musste verworfen
werden, da sich das Schauspiel zu wiederholen schien. Es wurde so heftig, dass man sich fast
ärgerte, seinen ersten Film mit schwachen Polarlichtchen verschwendet zu haben. Man wusste gar
nicht, in welche Richtung man zuerst schauen sollte. Ob nun nach Osten, wo sich seit Beginn ein
tiefroter Farbklecks aufhielt, direkt nach Norden, wo sich eine dunkle Art Wolkenbank aufbaute,
die komischerweise jedoch das Sternenlicht durchließ, oder nach Westen, wo sich klar abgegrenzte
Strahlen durch die Sternbilder Orion, Zwillinge und Großer Bär ihren Weg bahnten. Hinzu kam, dass
das Erscheinungsbild ständig wechselte, so dass die Verwirrung komplett war.
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Wegen mangelnder Erfahrung mit dem Phänomen Polarlicht ( solche
Kapitel in Büchern über Astrophotographie überspringt man als Oldenburger für gewöhnlich)
probierte ich einfach alle möglichen mir sinnvoll erscheinenden Belichtungszeiten aus. Diese
reichten dann von wenigen Sekunden bis hin zu einer Minute. Die Empfindlichkeit der Filme lag
dabei bei 200 und 800 ASA. Als Objektive verwendete ich ein 38mm Weitwinkel-Objektiv. Die
intensiven Farben auf den Photos kommen durch die langen Belichtungszeiten zustande.
Ich wurde also vorsichtiger mit meinen wenigen verbleibenden Bildern. Doch die Überwältigung
zwang mich praktisch dazu, ein Photo nach dem nächsten zu machen, da ein Anblick schöner als der
Nächste war.
Vor lauter Aufregung vergaßen wir dann sogar die Grundprinzipien eines jeden Astrophotographen,
und schalteten bspw. während des Belichtens das Licht an, sodaß die Anzahl der potentiell
möglichen Photos noch schneller dezimiert wurde.
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Irgendwann war dann aber der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der
allerletzte Film kein Stück mehr weiterdrehen ließ, was bedeutete, dass man von nun an nur noch
hoffen konnte, dass die letzten Meter Film das eine oder andere gelungene Photo hervorbringen
würden.
Die Aufregung bekam nun auch allmählich Konkurrenz von der Kälte, was auch kein Wunder war, da
wir inzwischen schon 5 Stunden bei ca. 0°C ausgeharrt hatten.
Mehr oder minder beruhigt, mehr, weil man schon überglücklich mit dem war, was man gesehen hatte,
und minder, weil man noch 7 Stunden bis zur Öffnung des Photolabors warten musste, konnten wir
uns jetzt auf den Heimweg machen, der jedoch bei mir noch einige Male unterbrochen werden musste
um anzuhalten und auszusteigen, um sich noch ein letztes Mal dieses beeindruckende
Naturschauspiel sehen zu dürfen.
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