Betriebspraktikum auf Malta
26.02. - 04.03.2008

 

Für zwei Wochen waren die Arbeitsplätze von 19 Schülerinnen und Schülern des HGO im Rahmen des Betriebspraktikums eine Baumschule, ein Wiederaufforstungsprojekt, ein Naturschutzgebiet und das Büro einer Umweltschutzorganisation - auf Malta!

Neben der Gelegenheit, sich aktiv für die Umwelt einzusetzen und mit birdlife eine von der EU geförderte, professionelle Umweltorganisation kennen zu lernen, konnten die Schüler ihr Englisch in einer Arbeitssituation erproben und eine neue Kultur kennen lernen.

Doch wer bei Malta nur an Sonne denkt, ist auf dem falschen Pfad. Harte (körperliche) Arbeit galt es zu überstehen: 8 Stunden lang Bäume pflanzen, Müll sammeln, Agaven aus dem Boden hacken oder anstrengende Büroarbeit im Büro von birdlife erledigen - am Ende des Arbeitstages wusste man, was man geleistet hatte.

Abgerundet wurde der Arbeitstag durch exzellente Vorträge von birdlife, die den Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge und die Notwendigkeit ihrer Arbeit verdeutlicht haben.

Doch trotz aller Anstrengung bleibt das Gefühl, etwas Sinnvolles getan und gleichzeitig Spaß gehabt zu haben.

Auch im Schuljahr 2008/2009 wird das HGO die Kooperation mit birdlife fortsetzen und Schülerinnen und Schülern der Klasse 11 die Möglichkeit bieten, ihr Betriebspraktikum auf Malta zu absolvieren.

Veronika Riesebieter

Schülerbericht:

Dienstag, 26.02.08, 3.45 Uhr: Vor dem HGO rottet sich eine Gruppe müder, aber auch aufgeregter Schüler und Schülerinnen zusammen. Ihr Ziel ist es, irgendwie nach Malta zu gelangen und dort das Betriebspraktikum 2008 zu absolvieren. Die Lösungen lauten Reisebus und Billigflieger und so finden sich die SchülerInnen um 9.30 Uhr auf dem Flughafen Luqa wieder. Doch noch ist ihre Reise nicht ganz zu Ende: es stehen ihnen noch 45 abenteuerliche Minuten in nicht anders zu bezeichnenden Vehikeln bevor, die sie über Stock und Stein zum Hotel in die Mellieha Bay bringen.
Von dort aus starten die 19 Schüler und die drei begleitenden Lehrer Frau Riesebieter, Herr Mienert und Frau Suhren jeden Tag ihre Exkursionen über die Insel.

Nicht, dass jetzt die Idee aufkommt, wir hätten Urlaub gemacht. Die Organisation, für die wir sieben Tage auf Malta gearbeitet haben, heißt BirdLife und setzt sich, wie der Name nahe legt, für den Vogelschutz auf der Insel ein. Die Malteser pflegen eine lange Vogeljagdtradition, die langsam, aber sicher zum Aussterben der auf der Insel rastenden Zugvögel führt. Gegen dieses Problem versucht BirdLife mit verschiedenen Projekten anzugehen. Wir haben die Organisationen an vier verschiedenen Punkten unterstützt: im Büro in der Nähe der maltesischen Hauptstadt Valletta; im Naturschutzgebiet an den Klippen von Rdum tal-Madonna; im Wiederaufforstungsgebiet Foresta 2000 und auf der mit BirdLife kooperierenden Biofarm der Gaia Foundation an der Golden Bay.

Das Naturschutzgebiet Rdum tal-Madonna liegt ganz im Norden der Insel und ist vom Hotel aus in ungefähr einer Stunde Fußmarsch zu erreichen. Die klugen Schüler haben sich allerdings vom site warden Matthew in seinem kleinen, klapprigen Fiat Panda mitnehmen lassen. Auf den kargen Klippen war einst ein beliebtes Jagdgebiet zu finden - wobei immer noch einige hunter dort vorbeischauen, ihren Spaß haben und eindeutig zu viel ihres Mülls hinterlassen. Deshalb ist auch jetzt, wo Rdum tal-Madonna als Schutzgebiet für die sensiblen Yelkouan Shearwater-Vögel deklariert wurde, Müll und Patronenhülsen sammeln eine beliebte Aufgabe für uns Praktikanten gewesen. So streunten einige von uns auf der weitläufigen Fläche zwischen den vereinzelten Bäumen und Jagdhütten umher, während andere mit Spitzhacken einen Krieg gegen die invasiven Agaven führten. Wiederum andere hatten die höchst anspruchsvolle Aufgabe, sämtliche Touristen - vorwiegend englische Paare im Altern von 51-65 Jahren - aber auch Einheimische, die Rdum tal-Madonna besuchten, über ihr vorhandenes oder nicht vorhandenes Wissen bezüglich des Yelkouan Shearwater auszufragen. Doch wir körperlich und geistig beanspruchten Praktikanten waren nicht allein: Hin und wieder ließ sich der Straßenhund Hugo [sprich: Ügó] bei uns blicken und verspeiste mit Genugtuung unsere Sandwiches aus dem Lunchpaket des Hotels. Nachdem wir ihm seinen Namen gegeben hatten (das Copyright liegt bei Frau Riesebieter), stellte sich daraus, dass es sich um eine Hündin handelte, was sie allerdings nicht davor bewahrte von uns weiterhin mit dem männlichen Namen gerufen zu werden. Wahrscheinlich hat sie deshalb nie auf uns gehört. Wir haben auch exotische Tiere kennen gelernt: grüne und braune Spinnen zum Beispiel. Wohl interessanter ist es dann doch, dass uns Matthew ein Chamäleon "gefangen" hat. Prompt hat es sich mit Malte angefreundet und seine Freundschaft mit Fauchen und Kratzen besiegelt. Als Dank dafür wurde es Simon [sprich: Saimen] getauft. Später kam dann noch Bubu dazu, welcher weitaus friedlicher, dafür aber auch längst nicht so beleibt war.

Das Wiederaufforstungsgebiet Foresta 2000 lernten alle Schüler in der Praktikumszeit kennen. BirdLife versucht an Orten wie diesen Feldern nahe unseres Hotels die ursprüngliche Vegetation Maltas, von den wenig umweltbewussten Maltesen schon lange zerstört, wieder herzustellen. So mussten kleinere Bäumchen mit Kaninchenschützen versehen werden und das Gestrüpp drumherum weggezupft werden, damit site warden Ray sie nicht beim Rasenmähen übersehen konnte. Ein weiteres Aufgabengebiet bestand darin, Brutkästen zu installieren. Uns war zwar im Vornherein angekündigt worden, wir müssten auch Bäume pflanzen, aber dies gestaltete sich in der Realität etwas anders: Wir beobachteten Mitarbeiter einer Mediengesellschaft, die laut Ray "noch nie in ihrem Leben einen Baum gesehen haben" und auf einem Betriebsausflug für je 12 Euro fröhlich einen Baum pflanzen konnten. Mehr oder weniger relaxt gestaltete sich diese Arbeitsstätte für uns also und wir verbrachten die meiste Zeit mit Pausen, in denen uns Ray im Landrover auf Malta herumfuhr, uns die schönsten Buchten zeigte oder unter Steinen nach Skorpionen suchte - und nie welche fand. Dafür gesellte sich eines Tages Canis/Garfunkel zu uns, ein munterer Hund, der wohl nichts besseres zu tun hatte, als uns beim Pausemachen zu erheitern.

Im Büro bei den Projekt-Managern Helen und André Raine standen vor allem die so genannten Digitising-Aufgaben an. Nett ausgedrückt: Digitalisierung. Die Realität: abtippen von Daten, die fleißige Vogelbeobachter Tag für Tag an BirdLife weitergeben, damit die Mitarbeiter bei Bedarf einsehen können, welcher Vogel wie, wann, wo und wie oft gesehen wurde. Diese Daten stammen nicht etwa aus der letzten Zeit, nein, sie warten schon seit 2003 oder länger auf Excel-erfahrene Praktikanten. Des weiteren musste die Bibliothek aufgeräumt werden, eine Aufgabe unglaublichen Ausmaßes, Verkäufe von Merchandising-Produkten dokumentiert werden, Texte aus deutschen Tageszeitungen ins Englische übersetzt werden (natürlich ist es für BirdLife interessant, was die internationale Presse über die Situation auf Malta schreibt), die surveys (Touristenbefragungen) von Rdum tal-Madonna ausgewertet werden und und und...
Die SchülerInnen, die gegen fünf Uhr aus dem Büro gewankt kamen, konnten meistens nicht mehr geradeaus gucken und haben nur noch "Digitising... Digitising..." gestammelt, hatten dafür aber zumeist das Gefühl, richtig was geschafft zu haben.

Wer zur Gaia Foundation musste, hatte schon um 7.45 Uhr vor dem Hotel zu stehen. Dort wurde man von Joey abgeholt, der gleich nach dem ersten Blickkontakt einen seiner Charakterzüge preisgab: leidenschaftliches Erzählen. So fuhren wir auch nicht gleich zu unserer Arbeitsstätte, sondern machten noch einen Abstecher nach Popeye Village und zu ihm nach Hause, weil er uns gerne seine Insel zeigen wollte. Aber shhht - nicht seinem Boss erzählen! Schließlich doch einmal angekommen, gab es so nette Aufgaben wie Unkraut jäten, wobei dort schon kein Unkraut mehr wuchs, sondern eher ein Wald. Es galt die kleinen Olivenbäumchen von der Masse an ungewolltem Gras und Blumen zu befreien. Joey schien alle Zeit der Welt zu haben, weswegen die Arbeit eher aus Pausen als aus Hacken und Ausreißen bestand. Doch nicht nur dem Unkraut ging es an den Kragen: der Knoblauch wollte für den kleinen Shop geerntet werden - ebenso die Artischocken und Radieschen. Die Zeit im feinen Nieselregen (Joey wollte und schon ins Auto verfrachten, weil er nicht mit unserer Wetterfestigkeit gerechnet hatten) verbrachten wir mit dem wirklich spaßigen Job, Schnecken von den frischen Gemüsepflanzen zu sammeln und diese dann eimerweise über die nächste Mauer zu kippen. Auf einer Farm gibt es immer viel zu tun. So zählten auch Holz stapeln, Pflanzen pflegen, Dünger verteilen und eintopfen zu unseren Aufgaben. Wir selbst durften das ein oder andere Radieschen und die eine oder andere Orange probieren und uns davon überzeugen, dass Obst und Gemüse ohne Pestizide einfach super schmecken. Ein Grund, warum der ein oder andere von uns den Shop der Foundation und seine zahlreichen Köstlichkeiten von Honig über Wein zur Schokolade geplündert hat.

Abseits der Arbeit wartete immer ein wenig Abwechslung auf uns: in Valletta für einen Nachmittag shoppen gehen, Vorträge von Helen und André Raine, eine Debatte über das Verbot der jährlichen Vogeljagd, bei der sich einige von uns in die Jäger versetzen mussten, oder einfach nur der Fitnessraum des Hotels... Und wem das nicht reichte, der hatte noch einige deutsche Fernsehsender zur Verfügung. Die besonders Gelangweilten kletterten über die Balkone und klebten Herrn Mienert Liebesbriefe/Gruselbotschaften an die Tür.

Die Arbeit für BirdLife hat sich unserer Ansicht nach auf jeden Fall gelohnt und obwohl sie teils anstrengend war, hatten wir alle unseren Spaß. Spannung kam auf, als wir erfuhren, dass die Jäger, die verständlicherweise nicht gut auf BirdLife, das für ein Verbot der Jagd im Frühling arbeitet, zu sprechen sind, Protestaktionen auf Gozo "gleich um die Ecke" planten. Klugerweise hat man uns die BirdLife-T-Shirts erst am letzten Abend verkauft. Diese werden wir jetzt stolz tragen und fleißig Werbung machen für das Praktikum auf Malta, welches sich schon allein wegen des Wetters (gefühlte 25 Grad, Sonne) lohnt!

Maike Schlegel und Aenne Lotze

Hier finden sie einen Presseartikel über das Praktikum aus der Sunday Times.

 

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