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Reaktionen auf den Erinnerungsgang

 

Nach dem Erinnerungsgang erreichten uns drei Briefe von Zeitzeugen und langjährigen Teilnehmern des Ganges.

Eine Zeitzeugin aus Oldenburg und ehemalige Schülerin der Cäcilienschule schreibt in ihrem Brief über die Schwestern unserer Abiturienten Günther Goldschmidt und Ernst Reyersbach:

Oldenburg, 15.11.2009

An die Schülerinnen und Schüler des Herbartgymnasiums in Oldenburg.

Am Dienstag, den 10.November, habe ich mir Eure Ausstellung in der Landesbibliothek angesehen, die an das Leid unserer Mitbürger jüdischen Glaubens in Oldenburg erinnert. Sie hat mich tief berührt und ich bedanke mich bei Euch für die bestimmt nicht einfache Arbeit, die Ihr geleistet habt. Ich besuchte in den Jahren 1933-1939 die Cäcilienschule und ich kann mich noch gut an Lotti Reyersbach und Eva Goldschmidt erinnern. Lotti war in meiner Klasse, Eva Goldschmidt in der Klasse über mir. Von ihr habe ich noch ein winziges Wörterbuch Französisch-Deutsch. Es war damals üblich, dass wir gebrauchte Schulbücher von den älteren Schülern kauften. Nach der Reichpogromnacht fehlten Lotti und Eva und keiner wusste warum. Erst in den Jahren nach dem Krieg habe erfahren, dass Lotti R. mit anderen Kindern jüdischen Glaubens nach England gekommen ist und überlebt hat. Ich weiß aber nicht, durch welche Organisation das geschehen ist. Dann erschien von dem Studienrat Enno Meyer ein kleines Bändchen über die in Oldenburg ansässig gewesenen jüdischen Familien und dort habe ich gelesen, dass Eva Goldschmidt mit ihrer Mutter in das KZ Riga transportiert worden ist. Durch das Buch "Die unauslöschliche Sinfonie" habe ich dann von dem Schicksal der ganzen Familie Goldschmidt erfahren. Das ganze Ausmaß der Verbrechen erfuhren wir ja erst nach dem Krieg. - Ich bin jetzt fast 87 Jahre alt, doch diese furchtbaren Jahre unter der Naziherrschaft lassen mich bis heute nicht los. Tragen Sie weiter dazu bei, dass nie wieder so etwas in unserem Land geschieht, denn meine Generation ist bald ausgestorben und kann nicht mehr davon berichten, doch Sie können und müssen später auch Ihren Kindern davon erzählen. Freundliche Grüße, ...

 

Außerdem meldete sich bei uns ein weiterer Zeitzeuge, der als Kind die Reichspogromnacht in Oldenburg erlebt hat:

Oldenburg, 16.11.2009

(...) Ich bin wahrscheinlich einer der letzten noch lebenden Oldenburger, der am Morgen des 10.11.1939 vor der zerstörten Synagoge stand und auch die ca. 40 Juden an der Peterstraße vom Polizeiamt bis ins Gefängnis beobachtete. Ich war damals 8. Später war ich 1962 einer der ersten Deutschen, die nach Israel eingeladen wurden. Zudem habe ich zwei enge jüdische Freunde gehabt. (...)

Mit Ihrem Interesse am Schicksal unserer jüdischen Bürger und meinen (...) Erfahrungen glaube ich, den Kontakt mit Ihnen zu suchen. Hochachtungsvoll, ...

 

Ein Ehepaar, das seit Jahren am Erinnerungsgang teilnimmt, dankt uns besonders für die Gestaltung des Ganges mit Musik und Lichtern:

25. November 2009

In vielen Jahren haben wir am Erinnerungsgang am 10. November teilgenommen. In den letzten zwei bis drei Jahren waren wir allerdings verhindert. Als wir jetzt am 10. November wieder dabei sein konnten, haben uns einige Veränderungen sehr gefreut, und ich denke, das sollten Sie erfahren. Drei Dinge waren es insbesondere, die uns bei der Teilnahme gut getan haben.

1.) Die Musik zu Beginn bei der ehemaligen Polizeikaserne war sehr passend und hat zur inneren Sammlung der Erschienen beigetragen. Wir haben die Schülerinnen und Schüler vorher beobachtet, wie sie herumtobten, sich rangelten, wie es eben in dem Alter normal ist. Dann beim Musizieren waren dieselben Kinder/Jugendlichen so ernsthaft und konzentriert bei der Sache!

2.) Den Gedanken, entlang der Stecke des Erinnerungsgangs insbesondere Jugendliche mit Lichtern aufzustellen, finden wir sehr gelungen. Dadurch bekommt die Prozession einen sichtbaren Rahmen an beiden Seiten, nicht nur für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern ebenso für alle in den Oldenburger Straßen, die als Unbeteiligte zuerst einmal schauen müssen, was für eine Prozession dort vorüberzieht.

3.) Noch besser, als ich es früher erlebt habe, waren diesmal die Schülerinnen und Schüler eingebunden in den Erinnerungsgang, und zwar nicht nur zu Beginn mit der Musik und beim Abschluss im Gefängnis, sondern in beeindruckend großer Zahl eben auch als Licht-trägerInnen an der Strecke. Und dazwischen immer wieder Erwachsene (ich vermute, überwiegend LehrerInnen) und gerade dieses Miteinander war wohltuend. Denn tatsächlich soll der Erinnerungsgang ja die Generationen verbinden.

Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit besteht, den beteiligten Kindern und Jugendlichen etwas von diesen positiven Eindrücken weiterzugeben. (...) Ich grüße Sie herzlich in der Adventszeit, auch von meinem Mann, ....

 

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